Archiv für Februar 2009

Kulturgeschichte als Industriegeschichte

Donnerstag, 12. Februar 2009

Der Betrieb als Grundstein der modernen Gesellschaft

Die früheste Ausprägung der Gesellschaft, wie wir sie heute kennen, lässt sich bis ins England des 18. Jahrhundert zurückverfolgen mit dem Beginn der Industrialisierung. 1771 errichtete der englische Perückenmacher Richard Arkwright die erste industrielle Baumwollspinnerei der Welt in Cromford. Im Gegensatz zu ihrem Vorläufer konnten die hier benutzten Spinnmaschinen von einfachen Hilfsarbeitern bedient werden, die somit keine berufliche Spezialisierung mehr brauchten. Die heutige Arbeiterklasse ebenso wie die heutigen Fabrikbetriebe fanden hier ihren Anfang.

1783 dann kopierte Johann Gottfried Brügelmann mittels Industriespionage diese Spinnmaschinen für die Ratinger Textilfabrik Cromford, welche so zur ersten Fabrik Kontinentaleuropas wurde. Die Industrielle Revolution, welche sich in der schnellen und nachhaltigen Umgestaltung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse äußerte und den Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft bedeutete, nahm ihren Lauf.
Es kam zur Urbanisierung, bei der Kleinbauern und Landlose anfingen in die schnell wachsenden Städte abzuwandern, wodurch ausreichend Arbeiter für die Industrielle Revolution zur Verfügung standen.

Hierdurch wuchsen nicht nur die Städte, sondern auch die sozialen Missstände, da noch keine rechtsstaatlichen Regelungen für die neu entstehenden Arbeitsverhältnisse in den Industriebetrieben existierten. Es gab weder Bestimmungen zu den Arbeitszeiten, zur Sicherheit am Arbeitsplatz oder Umweltregelungen.

Und auch wenn die grundsätzliche Einteilung unserer Gesellschaft letztlich die gleiche geblieben ist, wie im England des ausgehenden 18. Jahrhunderts, haben doch die Arbeitsbedingungen, sowie Umwelt- und Arbeitsschutz in den Betrieben bedeutende Fortschritte gemacht.

Rückenbelastendes Heben und Tragen, welches früher von Hand geschah, wurde durch die Erfindung von Gabelstaplern, Hubwagen und ähnlichen Stapel- und Hebemaschinen abgelöst. Zugleich sind Firmen den heutigen Sicherheitsbestimmungen entsprechend dazu verpflichtet, ausreichenden Brandschutz zu gewährleisten, aber auch schützende Berufskleidung vorzuschreiben.

Letztlich haben die letzten Jahrzehnte gezeigt, dass auch der industrielle Umweltschutz ein wichtiger Faktor sowohl für die Natur als auch für die Menschen, die in ihr leben, geworden ist. Durch die sogenannten Umweltschutzbestimmungen gibt es so klare Richtlinien für Lagerung, Entsorgung und Reinigung von den Materialien eines Betriebes. Ganz aktuell ist zudem das Nichtrauchergesetz verabschiedet worden, welches jedem einen rauchfreien Arbeitsplatz zusichert.

Fazit:
Die Soziale Frage, die noch am Beginn der Industriellen Revolution von so bedeutender Dringlichkeit war, scheint mittlerweile durch den Ausbau des Sozialstaats, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Anhebung des allgemeinen Wohlstandsniveaus in Vergessenheit geraten.

Der Traum vom eigenen Fachwerkhaus

Montag, 09. Februar 2009

Fachwerk und Fachwerkhäuser

Seit etwa Anfang des 12. Jahrhunderts werden in Deutschland Fachwerkhäuser gebaut. Bei der Fachwerktechnik wird zunächst eine Fachwerkkonstruktion aus Holzbalken aufgebaut. Die Zwischenräume, die so genannten Gefachen (daher auch der Name), werden entweder mit Holzgeflecht und Lehmbewurf ausgefüllt, mit Lehmbausteinen verbaut und verputzt oder mit Ziegelsteinen ausgemauert. Die Ausfachung mit dem Baustoff Lehm erfolgte vor allem in früheren Zeiten. Da die Verarbeitung des Materials nicht sehr billig ist, wird heutzutage meistens auf Ziegel zurückgegriffen. In Mitte des 16. Jahrhunderts hat der Fachwerkbau seine Blütezeit erreicht, er wurde dann nach und nach vom Steinbau verdrängt.

Heute findet das Wohnen in Fachwerkhäusern wieder viele Anhänger. So werden neben der Restaurierung alter Fachwerkhäuser, zunehmend auch wieder Fachwerk Neubauten errichtet. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sehr häufig fällt die Entscheidung für ein Fachwerkhaus ganz einfach aus dem Bauch heraus. Der besondere Charme und das rustikale Aussehen stehen für ein ganz besonderes Wohnerlebnis. Einmalig schön und individuell werden die Häuser durch kunstvolle Verzierungen, wie zum Beispiel Schnitzereien, Schriften, Zeichen und Symbole. Vor allem die Kombination aus Altem und Neuem ist für viele Fachwerkliebhaber reizvoll. Trotz traditioneller Handwerkskunst, muss auf eine hochmoderne technische Ausstattung des Hauses keinesfalls verzichtet werden. Für viele Eigenheimbesitzer ist der Fachwerkbau auch die perfekte Alternative zum massiven Steinbau oder dem reinen Holzhaus. So bietet der Baustoff Holz beste Wohnqualität durch eine besondere Behaglichkeit und ein angenehmes Raumklima. Er entzieht der Raumluft überschüssige Feuchtigkeit oder gibt sie wieder zurück, sobald die Luft zu trocken ist. Eine gute und erfahrene Fachwerkhaus Zimmerei wird nur natürliche Baustoffe in ökologischer Bauweise verarbeiten, so dass das Objekt vorbildliche baubiologische Eigenschaften aufweist. Fachwerkhäuser sind also optimal für Allergiker und Kinder.

Wer sich für ein altes Fachwerkhaus entscheidet, sollte einiges beachten. Steht das Haus unter Denkmalschutz? Dann sollte man bedenken, dass bei der Renovierung häufig viele Auflagen einzuhalten sind, die den eigenen Ideen oft nur wenig Spielraum lassen. Ebenso stellt sich die Frage, wie hoch die zu erwartenden Renovierungskosten sind. Besitzt das Haus versteckte Mängel? Von Vorteil ist es auf jeden Fall, bei der Besichtigung einen erfahrenen Fachmann hinzu zu ziehen. Mitunter ist ein Neubau sogar preisgünstiger. Auch Eigenleistungen können hervorragend eingebracht werden. Und durch die Vorfertigung der Bauteile können, trotz individueller Grundrisswünsche und Hausansichten, Preis und Bauzeit gering gehalten werden.

Da wird der Traum vom eigenen Fachwerkhaus vielleicht schon bald Wirklichkeit!